Donnerstag, 8. November 2018

Hundert verschlafene Jahre

Nicht,
daß es nichts zu sagen
gäbe.

Nicht,
daß nach all den Jahren des Schweigens,
der innere Himmel wieder Worte
regnen ließe.

Es ist nur,
noch sie finden nur zu Papier -
noch sie finden nicht ihren Weg hierher,
in die unendlichen Weiten
des Netzes.

Noch.
Noch schläft Dornröschen.

Und träumt,
daß dereinst sie jemand
wachküßt.

Sonntag, 4. September 2005

Paradies

In meinem nächsten Leben
werde ich mir eine Erde erträumen,
die liegt dem Herz der Sonnen
ganz nah.

Sie wird zu allen Jahreszeiten
grün sein. Blaue Flüsse
sie durchrauschen.
Und tags sind ihre Lüfte
allzeit warm.

Nackt werde ich auf ihr
weglose Wege beschreiten,
Felder, Wälder und Wiesen
durchstreifen.
Ich glaube nicht,
daß in ihrer frohen Fülle
mich jemals wieder bös´
der Hunger plagt.

Ihre Berge werden hoch sein,
schneebedeckte Gipfel
bis weit in die Himmel
´neinreichen.
Oft werde ich
auf weißen Dächern
stehen, den Göttern
ganz nah.

Und nachts – nachts,
wenn ihre Tagessonn´
gefallen ist,
längst ´schwommen fort
mit jenem roten Wolkenmeer,
dann werde ich mich
in die Arme der Liebsten
begeben,
mit ihr zusammen Stern-
schnuppen zählen
und das Leuchten des Mondes
still schauen.

Mit brennendem Herzen
werde ich wachen
bis jüngst ein neuer Tag
anbricht.

Vom Feuer umlagert
werde ich sitzen
mit all meinen Träumen
zusammen und ihnen
gar lachend
Geschichten erzählen,
von einem längst
vergangenen Leben,
in dem Mutter Erde
dem Herz der Sonnen
viel ferner oft war.

Manchmal

Manchmal möchte ich fliegen,
jetzt und hier und weit,
den unendlichen Horizonten
entgegen, meine Flügel ausbreiten
himmelweit.

Manchmal möchte ich träumen
den Traum, mit dem alles Leben
beginnt.

Manchmal möchte ich leben
das Sein, in dem ein jedes End´
sein letztes Ende
find´.

Manchmal – ja, manchmal,
da möchte ich auch los
all´ Schwere sein
und schweben im Raum
zwischen den Sternen
ganz frei.

Und singen
mit meinem Herzen
von Dir nur
hell und klar
und rein.

Gedicht V.

Mit dem Herz
in der Hand
führte meine Zunge
den Stift

Blaßblaue Schrift

Wort um Wort
tat ein Blatt
weißes Papier
den Verlust
seiner Unschuld
bestaunen

Die drei Wünsche

Eines Nachts
ward eine Fee mir
begegnet.
Ich traf sie
dort draußen
im Sternenland.

Sie sagte,
was Feen so sagen;
ich mir wünschte,
daß sie mir ließe
auf immer
einen letzten Wunsch
frei.

Funken sprühten,
als sie ihren Zauberstab
ein erstes Mal schwang.

Dann sagte ich:
Und wunschlos,
wunschlos
möchte ich sein.

Dieses Leben,
welch eine Erfüllung.

Sorgfreilos III.

Wen stört es,
daß der Tag reißt
Traumschlösser nieder?

Wen kümmert´s,
daß Wellen umspülen
Burgen im Sand?

Jede Nacht
Sternschnuppen
fallen.

Immer bleibt
ein Wunsch
Dir frei.

Sehnsucht

Wie könnte ich meinen Hunger
als Hunger erkennen,
ohne je von der Erde
Nahrung empfangen zu haben?

Wie könnte ich meinen Durst
bei seinem Namen wohl nennen,
ohne je von den Wassern
getränkt worden zu sein?

Hätte ich niemals das Strahlen
der Sonne, ihre Wärme erfahren,
ich wäre kein Mensch –
ich wäre ein Stein.

Sehnsucht.

Einst trug mich der Wind
in seinem Atem.
Als ich herniederkam,
mußte ich erst einmal schreien.

Gedicht IV.

Ich bin schwach.
Ich schaffe es nicht,
dieser Welt hier
zu fliehen.

Meine Kräfte –
sie reichen nicht aus,
um jene Tür dort
mehr als nur einen kleinen,
ganz kleinen Spalt weit
aufzustoßen.

Doch immer, wenn ich
einen Blick werfe
mit meinem Herzen
durch diesen hindurch,
schenkt meine Seele mir
Zeilen.

Gottesacker

Meine Vorväter bestellten
die Felder des Herrn,
um zu ernten ganz golden.

Wir konnten über die Zeiten
ihre Träume nicht wahren.

Ich – der Generationen
letzte Blüte – sehe alles Leben
von uns fallen.

Meine Lieder hegen und
pflegen bloß noch
unser aller letzte Ruhestätte,

das ewige Feld.

Träumen will

Wer träumen will
muß seine Phantasie
mit Feuer nähren

Muß im Boden
wurzeln
fest
und lauschen
können
still
den Stimmen
seines Blutes

Wer träumen will
muß Sterne
atmen

Auf immer

Jede Frau, die ich liebte,
warst Du. Jeder Engel,
der mir ins Gesicht sah,
trug Deine Züge.

Das weinende Kind in mir
stets stilltest Du.
Ich vermag zu zählen
die Nächte nicht mehr,
in denen Du spieltest
mit mir all diese verbotenen
Spiele.

Jede Sonne, die morgens
aufgeht, trägt Dein Lachen.
Jeder Stern, der abends fällt,
läßt wünschen mich nur eines.

Das trotzige Kind in mir
stets führtest Du.
Ich vermag zu erinnern
die Tage nicht mehr,
an denen Wolken
Deine Schönheit
verhüllten.

Jedes Leben, das Du gibst,
ist hingegeben. Jede Liebe,
die Du nimmst, auf immer
Dein.

Mittwoch, 31. August 2005

Lieben die Liebe

Und Du und ich wissen,
man braucht vor der Liebe
keine Angst haben.

Wir lieben nicht Menschen.
Wir lieben die Liebe.

Du und ich wissen,
in Nähe vergehen wir,

tut sich der Weltenraum auf,
mondhell,
unbeschreiblich
sternklar.

Du und ich wissen.

Du
und
Ich.

Wir lieben nicht Menschen.
Wir lieben die Liebe.

Donnerstag, 18. August 2005

Du und ich wissen

Du und ich wissen,
daß es Größeres gibt,
daß bloß ängstliche Herzen
sich verlieren im Kleinen.

Du und ich wissen,
daß Welten über Welten
durch Seine Räume ziehen,
daß an ihren Wänden haften
rauhgefasert
alte Zeiten.

Du und ich wissen,
daß die Liebe
nur in weiten Herzen lebt,
ein frischer Wind
so leicht läßt
Flügel schlagen.

Du und ich
wissen.

Ein Bekenntnis

Ein Bekenntnis:
Ich lebe nicht gern.
Ich meine:
Eigentlich liebe ich sehr –
das Leben.

Unter Menschen
ich fühl´ mich
so schrecklich allein.
Wenn ich ganz still
mit mir selbst bin,
kann ich das Strahlen
verdunkelter Sonnen
erzwingen.

Mir macht diese Welt Angst.
Alle ächten den Krieg
und doch sehe ich sie
alle Weile lang kämpfen.

Ich lebe nicht gern.
Mitunter sich sämtlich
die Worte verkehren.
In ihren Himmel
wollen meine Träume
nicht einziehen.
Wo ich auch hinseh´ –
überall spiegeln die Augen
mir Sterben.

Mitunter ich weine sehr gern . . .
Doch über ihrer Art Pathos
kann ich nur lachen.

Ein Bekenntnis:
Ich liebe das Leben
und träume so gern.
Und übe mich heimlich
in den Künsten
des Sterbens . . .

Hier gibt es
kein wirkliches Meer –
bloß salzige Wüsten.

Ich lebe so gern.
Ich werd´s nicht bereuen,
von diesem zu scheiden.

Du und ich wissen,
daß es Größeres gibt.

Schön

Nun,

nach Jahren,

jetzt,

da so einfach,

auch endlich

HIER.